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«Wir können den Klimawandel stoppen, aber wir müssen jetzt handeln»

Nathalie Casas leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Climeworks. Im Interview erzählt sie, wie sie über den Klimawandel denkt und woher sie ihre tägliche Motivation nimmt.

Text: Alena Sibrava

Die Medien berichten täglich über die Folgen des Klimawandels. Wie denkst du darüber?
N. Casas:
Ich denke, es ist höchste Zeit, etwas zu tun. Die Klimamodelle zeigen auf, dass es nicht ausreicht, wenn wir uns lediglich CO2-neutral verhalten. Wir müssen CO2 aktiv und in grossen Mengen aus der Luft holen, wenn wir den Klimawandel noch stoppen wollen.

Macht dir das Sorgen?
N. Casas:
Ja, aber ich bin auch Optimistin und denke, dass wir das Problem noch lösen können, wenn wir jetzt Gas geben. Was mich beunruhigt ist, dass die meisten Voraussagen von linearen Modellen ausgehen. Es geht etwas mehr CO2 in die Luft, es wird es etwas wärmer und so weiter. Es gibt aber sogenannte «Tipping points» in der Welt. Zum Beispiel wenn der Permafrost auftaut und Methangas freigesetzt wird. Dann wird es auf einmal nicht nur etwas, sondern sehr viel wärmer.

Welchen Beitrag leistet Climeworks um das Problem in den Griff zu bekommen?
N. Casas:
Zum einen schliesst Climeworks den Carbon Cycle: Direct Air Capture Anlagen filtern CO2 aus der Luft. Dieses wird beispielsweise zur Herstellung von synthetischen Treibstoffen verwendet oder gelangt als Kohlensäure in Getränke. Wird das CO2 dann wieder freigesetzt, beispielsweise durch Verbrennen des Treibstoffs, können Direct Air Capture Anlagen es wieder aus der Atmosphäre filtern und dadurch den Kreislauf schliessen. Climeworks geht aber noch einen Schritt weiter: Durch Direct Air Capture and Storage wird das CO2 aus der Luft gefiltert und unterirdisch versteinert. So wird CO2 permanent und sicher aus der Atmosphäre entfernt und kann nicht wieder entweichen. 

Durch deine Arbeit bei Climeworks hilfst du mit im Kampf gegen den Klimawandel. Ist dir ein ökologisches Verhalten auch privat wichtig?
N. Casas:
Ja, aber ich bin nicht dogmatisch. Ich versuche das Mögliche zu tun, aber das Leben auch zu geniessen. Ich besitze zum Beispiel kein Auto, esse aber Fleisch. Dabei achte ich auf Qualität und Regionalität. Ausserdem habe ich bei Climeworks ein Abo gelöst, durch das in meinem Namen effektiv CO2 aus der Luft gefiltert und zu Stein umgewandelt wird.

Du hast ursprünglich Chemieingenieurwissenschaften studiert. Was hat dich zur Wahl dieses Studiums bewogen?
N. Casas:
Ich habe mich schon immer für Technik begeistert. Mein Vater ist Maschinenbauer, meine Mutter Mikrobiologin. Als ich klein war, durfte ich am Wochenende mit meiner Mutter im Labor Bakterienstämme zählen. Mein Vater hat ein Computerprogramm entwickelt, bei dem man Mathematikaufgaben lösen musste. Das hat mich schon als Kind fasziniert. Es war für mich somit nie eine Frage, ob Naturwissenschaften, sondern nur welche.

Was motiviert dich in deinem Beruf?
N. Casas:
Ich interessiere mich dafür, wie etwas funktioniert und will herausfinden, wie man es noch besser machen kann. Das treibt mich an. Bei meiner Arbeit bei Climeworks kommt das Sinnhafte noch dazu. Das ist sehr schön und gibt mir einen extra Motivationsboost. Ich optimiere gerne und wenn das, was ich mache dann noch einen Nutzen für die Gesellschaft hat, ist das umso schöner.

Zur Person

Nathalie Casas ist Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Climeworks, ein Startup-Unternehmen, das sich zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich «Direct Air Capture» (DAC) entwickelt hat. Die Climeworks-Anlagen fangen atmosphärisches CO2 ein, um es an Kunden zu liefern oder sicher und dauerhaft unter Tage zu speichern.

Als Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist Nathalie für die Weiterentwicklung und das Engineering der Climeworks-Produkte verantwortlich. Von 2013 bis 2017 war sie bei Sulzer Chemtech als Application Managerin mit Fokus auf CO2-Abscheidung tätig. 2012 hat Nathalie ihre Doktorarbeit im Department Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich abgeschlossen.

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Letzte Aktualisierung: 21.01.2020, Alena Sibrava