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HALB SILICON VALLEY LIEST JETZT DIE STOIKER

Führen in der Krise.

Magdalena Hoffmann, sollten alle CEOs Philosophinnen oder Philosophen werden?
Natürlich nicht! Aber es wäre gut, wenn sie sich philosophische Kompetenzen aneignen würden. Zumal sie gerade in schwierigen und unsicheren Zeiten davon profitierten.

Wie das?
Sie hätten dann eine eigene, neue Quelle der Souveränität, die ihnen bei ihrer Führungstätigkeit, etwa im Umgang mit Mitarbeitenden, hilft. Spannend ist, dass diese sehr schnell bemerken, wenn jemand philosophisch geschult wurde. Philosophie verschafft Klarheit: Wir sprechen immer von Vertrauen und Autonomie. Aber oft bleibt es bei diesen Schlagworten, und wir  erstehen gar nicht genau, was wir damit meinen. Wenn man sich mit solchen Themen stark auseinandersetzt, wenn man weiss, welche Sichtweisen es auch noch geben kann, dann argumentiert man verständnisvoller, präziser und glaubwürdiger. Das ist gerade in der Krise wichtig.

Das Einzige, was man Krisen abgewinnen kann, ist die Klarheit über unsere Schwächen, Stärken und Bedürfnisse.

Erklären Sie ...
In der Krise muss die Führungsperson unter Stress mit kritischen Einwänden, zum Beispiel in Zusammenhang mit Corona-Massnahmen, umgehen können. Sie muss aber auch wissen, wann sich eine Diskussion lohnt und wo die Grenzen liegen. Diese Leitplanken sind in schwierigen Zeiten wichtig.

Ist das nicht eine persönliche Entscheidung? Wie kann die Philosophie helfen?
Richtig, der eigene Führungsstil muss aber erst gefunden werden. Auch hier kann die Philosophie durch die Selbstreflexion und durch den Umgang mit anderen DenkweisenOrientierung bieten. Gelassenheit ist ebenfalls ein grosses Thema in Krisenzeiten. Da profitieren wir vor allem von der Antike. Halb Silicon Valley  liest gerade die Stoiker!

Was können wir von den Stoikern lernen?
Die wichtigeste stoische Maxime ist: Kümmer dich um das, was du durch deine Handlungen beeinflussen kannst. Alles andere solltest du ignorieren, da du es ohnehin nicht ändern kannst. Das mag zunächst profan klingen, doch dem liegt eine sehr komplexe ethische Theorie  zugrunde, der zufolge so gut wie alle Güter und Statussymbole von keinem wirklichen Wert sind, sondern eine mögliche Quelle von Sorgen. Wenn man das verinnerlicht hat, lässt es sich den Stoikern zufolge besser leben.

Das heisst, provokativ gefragt: Wir sollten auch noch froh sein, wenn wir alles verlieren?
Nein, selbstverständlich nicht. Stoische Gedanken helfen uns einfach, etwas gelassener zu werden. Ich bin keine Verfechterin der Krise-als-Chance-Rhetorik. Krisen sind Krisen, sie sind unangenehm und haben schmerzhafte Folgen. Da hilft es nicht, zu beschönigen. Oft sind die betroffen, die ohnehin schon schlecht dastehen. Das Einzige, was man Krisen abgewinnen kann, ist die Klarheit über unsere Schwächen, Stärken und Bedürfnisse. In der schwierigen Zeit zeigen sie sich deutlicher als sonst. Die Krise rückt uns also ein bisschen zurecht.

Weitere Informationen: 

Philosophie und Management

 

 

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