Faszinierende Technik«Technische Berufen bieten viel Entwicklungs- und Entfaltungspotenzial»

Lukas Heller studiert im Master Bauingenieurwesen an der ETH Zürich und engagiert sich bei Swissloop Tunneling. Ziel der studentischen Initiative ist es, den Tunnelbau effizienter und kostengünstiger zu gestalten und so nachhaltige Mobilität zu fördern.

9.12.2021

Lukas Heller studiert Bauingenieurwesen im Master an der ETH Zürich. Neben dem Studium engagiert er sich bei Swissloop Tunneling (SLT), einer studentischen Initiative, die den Tunnelbau weiterentwickeln will. Ziel ist es, Bauprozesse effizienter und günstiger zu machen – und damit neue Möglichkeiten für nachhaltige Verkehrssysteme zu schaffen.

Internationale Wettbewerbe als Innovationsmotor

Im September 2021 erreichte das Team an der «Not-a-boring-Competition» in Kalifornien den zweiten Platz und gewann den Innovationsaward für seine Tunnelbohrmaschine. Für Lukas ist klar: Das Projekt ist damit nicht abgeschlossen.  

«Geplant sind Aktivitäten mit europäischen Teams sowie ein Event in der Schweiz, an dem wir unser neues Design präsentieren. Parallel dazu steht die Rekrutierung neuer Teammitglieder im Fokus. Da Studierende ihr Engagement mit anderen Verpflichtungen vereinbaren müssen, kommt es zu Wechseln und die Sicherstellung des Wissenstransfers zentral. «Die Lernkurve war steil und dieses Know-how soll nicht verloren gehen.»

Technik lebt vom Testen und vom Austausch

Rückblickend sieht Lukas vor allem einen Punkt mit Verbesserungspotenzial: mehr Tests. «Innert drei Monaten haben wir eine komplett neue Maschine gebaut – am Ende fehlte schlicht die Zeit, alles ausreichend zu testen.» Für kommende Projekte soll deshalb die Zusammenarbeit mit Industriepartnern weiter intensiviert werden. Diese sei für beide Seiten ein Gewinn: Studierende profitieren vom Praxiswissen, Unternehmen lernen potenzielle Fachkräfte kennen.

Warum Technik fasziniert

Was Lukas an der Technik besonders begeistert, ist ihre Greifbarkeit. «Am Ende sieht man ein Resultat – zum Beispiel einen Tunnel.» Als Leiter eines interdisziplinären Teams mit rund 20 Studierenden erlebt er täglich, wie unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. «Es gibt selten nur eine richtige Lösung. Innovation entsteht dort, wo verschiedene Ansätze zusammengeführt werden.»

Fähigkeiten und Interessen bei der Studienwahl berücksichtigen

Schulabgängerinnen und Schulabgängern rät Lukas, offen zu bleiben und die eigene Komfortzone zu verlassen. «Wichtig ist nicht nur, was man schon gut kann, sondern was einen wirklich interessiert. Meine Erfahrung zeigt, dass man in der Regel weiterkommt, wenn man sich fragt, was motiviert mich und worauf bin ich neugierig? Vielleicht ist man handwerklich begabt und interessiert sich für Mathematik – dann bieten technische Studiengänge vielfältige Kombinationsmöglichkeiten und damit viel Raum für persönliche Entwicklung und Entfaltung. 

An der Not-a-boring-Competition in Kalifornien holte sich das Schweizer Team den Innovationsaward für ihren Tunnelbohrroboter «Groundhog Alpha».

Tunnelbau: ein Grundstein für nachhaltige Verkehrskonzepte

Die Mobilität trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Ein Zehntel des Strassenverkehrs macht der Güterverkehr aus. Und damit nicht genug: Der Bund rechnet mit einer Zunahme von 37% in 30 Jahren. Das Verkehrsnetz wird so schon bald an seine Grenzen stossen. Was könnte eine Entlastung bringen? Ideen sind da. Zum Beispiel die Elektrifizierung des Verkehrs oder unterirdische Verkehrssysteme. Cargo Sous Terrain (CST) heisst das Projekt, das mit einem intelligenten Logistiksystem Pakete ab 2031 unterirdisch zwischen grossen Städten sowie innerstädtisch verteilen soll. Andere Projekte richten ihr Augenmerk mehr auf den Personenverkehr. Die Hyperloop-Technologie zum Beispiel, worauf auch Swissloop setzt, soll es ermöglichen, Personen und Güter in Hochgeschwindigkeit zwischen Städten zu transportieren. Für beide Projekte sind Tunnels gefragt. Beim Tunnelbau besteht jedoch noch grosses Potenzial, um Energie und Kosten zu senken. Hier setzt das Team Swissloop Tunneling unter der Leitung von Stefan Kaspar an.

Die Welt ein bisschen besser machen

Projekte wie Swissloop Tunneling zeigen, dass es mit einem technischen Studium bereits während der Ausbildung spannende Möglichkeiten gibt, an innovativen Zukunftsprojekten mitzuwirken. Wer Technik studiert, gestaltet Lösungen, die morgen relevant sind.